Nowosti 2

Unterwasserfahrt (UF) der Panzer- ein Höhepunkt der Gefechtsausbildung mit hohen Anforderungen an Personal und Technik

Die UF der Panzereinheiten wurde in den Landstreitkräften der NVA nach einem für alle verbindliche Programm der Gefechtsausbildung des Chefs der Landstreitkräfte durchgeführt. Ebenso verbindlich waren alle für die Ausbildung zutreffenden Dienstvorschriften und Anleitungen. Alle organisatorischen Festlegungen zur Durchführung der UF der Panzer, aber auch zur Schwimmausbildung der schwimmfähigen gepanzerten Technik, wurden in einem Befehl des Kommandeurs der Division festgelegt. Auf dieser Grundlage hat der Kommandeur des Panzerregimentes mit Hilfe seines Stabes für seinen Truppenteil die Ausbildung der Panzerbesatzungen für die UF organisiert. Dabei mussten die für die Nutzung des Ausbildungsplatzes „Wasser“ vorgegebenen Termine genau eingehalten werden. Die UF wurde an der Elbe oder einem angestauten Wasserhindernis (TÜP Ohrdruf) durchgeführt. Bei der Planung war in der Regel davon auszugehen, dass am Wasserplatz in unmittelbarer Nähe (Nachbartrasse) das PB eines anderen Truppenteiles UF-Ausbildung bzw. ein MSB eines MSR die FÜ 4 mit schwimmfähiger Panzertechnik durchführt. Allein dieseTatsache stellte an die Planung und Vorbereitung der Ausbildung, aber auch für die Führung am Ausbildungsplatz hohe Anforderungen. Die Vorbereitung der UF und ihre Durchführung im Truppenteil waren deshalb eine komplexe Aufgabe an der alle Vorgesetzten und Stäbe mit den integrierten Diensten beteiligt waren. Die UF wurde als Fahrübung 4 bei Panzereinheiten (FÜ 4a Einzelfahrzeuge, FÜ 4c Überwinden von Wasserhindernissen im Bestand der Einheit) durchgeführt. Gleichzeitig fand die Ausbildung des Auffahrens auf Pontonfähren statt.

Mit dem Abschluss dieser Ausbildung wurde die UF Bereitschaft des Truppenteiles erreicht. Sie wurde durch den K-MSD bei Überprüfungen gelegentlich überprüft und gewertet.
 
Der Inhalt und die Zielstellung der 4. FÜ lassen sich vereinfacht wie folgt erläutern:
 
  • Die Besatzungen bzw. Panzereinheiten erlernen mit einen mit Zusatzausrüstung abgedichteten Panzer mit aufgebautem   Luftzuführungsrohr Wasserhindernisse mit einer Breite von max. 400m, mit einer Tiefe von 4,50m und einer Strom  geschwindigkeit von max. 2m/sec. als Einzelfahrzeug, aber besonders im Bestand der Einheit zu überwinden.
  • Die Fahrübung beinhaltet den Aufbau und den Gebrauch der Zusatzausrüstung des Panzers seine Vorbereitung auf UF   und den Umgang mit dem Tauchretter RG-UF/M.
  • Den Ausstieg aus einem gefluteten Panzer und die Handlungen des Rettungskommandos bei der Bergung des Panzers   aus dem Wasserhindernis mit Besatzung.

 

Die Vorbereitung und Durchführung der 4. Fahrübung gliedert sich in zwei aufeinander- folgende grundlegende Etappen:

 
1. Etappe: Vorbereitung und Durchführung der Ausbildung der Rettungs-u. Bergekräfte auf die UF
 
2. Etappe: Vorbereitung der Panzerbesatzungen und der Technik des Truppenteiles
 
1.Die Vorbereitung und Ausbildung der Rettungs- u. Bergekommandos

 

Die Vorbereitung der Rettungs-u.Bergekräfte auf die UF erfolgte für den gesamten Verband zentral unter Leitung einer Führungs-u. Ausbildungsgruppe des Divisionsstabes in
Verantwortlichkeit des STKTB/MSD, durch seinen Stellvertreter u. Leiter Panzerdienst in einem 3-wöchigen Feldlager. Diese Gruppe gewährleistete auch mit Beginn der 4. FÜ der TT des Verbandes die Gesamtführung am Wasserhindernis.
Zur zentralen Bergeausbildung wurden alle Besatzungen der Bergepanzer und der Panzerzugmaschinen sowie alle bei der Ausbildung unmittelbar erforderlichen Sicherstellungskräfte mit der strukturmässigen Technik befohlen.

 

Dieser Personenkreis wurde ab der 2. Woche durch die STKTA der PB zur Ausbildung als Sicherheitsoffizier erweitert.
Die Bergeausbildung wurde am Vortag des Beginnes der UF der TT mit einer Abnahme durch den StKTB /MSD beendet.

 

Mit Abschluss der Ausbildung standen zwei handlungsfähige Rettungs- und Bergekommandos zur Verfügung, die für die Sicherstellung der Ausbildung der Truppenteile des Verbandes, aber auch für die ständige UF-Bereitschaft von Bedeutung waren. Es soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass durch die Spezifik dieser Ausbildung mit einer hohen Zahl von Panzerzugmaschinen, Bergepanzer, Flaschenzügen und Lasten bzw. Spezialausrüstung bei Handlungen an Land und im Wasser mit real handelnden Auszubildenden von den leitenden Offizieren und Ausbildern ein umfangreiches Wissen und ein hoher Grad an Erfahrungen verlangt wurde.Aber auch die Leistungen der Bergekräfte, die bei der Ausbildung und später bei der Sicherstellung der UF mit hoher Disziplin täglich 12-14 Stunden in Bereitschaftslage am Wasser standen, bedarf einer Würdigung.
Bei allen Witterungsbedingungen wurden in den Bergezugmaschinen oder im Ausstiegsrohr die Aufgaben erfüllt, die notwendig waren, um das Leben ihrer Kameraden bei realen Zwischenfällen zu retten. Die tägliche Lehrvor
führung vor den zur UF bereitstehenden Angehörigen des PB zur Bergung eines simulierten Ausfalles im Wasser mit Besatzung lässt die Verantwortung und Belastung dieser Kräfte erkennen.

 

In voller Dankbarkeit ist noch heute an das saubere, von gemeinsamer Verantwortung getragene Verhältnis zwischen den Bergekräften, aber auch zu ihren Offizieren zu erinnern.

 

 

2.Die Vorbereitung der Panzerbesatzungen und der Technik des Truppenteiles auf die  4.FÜ (UF)
 
(1) Die Vorbereitung der Panzerbesatzungen
 
Diese Aufgabe schließt die physische, psychische und fachliche Vorbereitung ein. Während das physische und psychische Heranbringen an die Aufgaben durch die Vorgesetzten aller Stufen erbracht wurde, galt es aber auch durch eine gute fachliche Basis das Sicherheitsgefühl bei den Panzerbesatzungen zu erhöhen und somit eine Stärkung auf allen Ebenen zu erreichen. Es sei noch einmal daran erinnert, dass als Panzerbesatzungen bei UF alle zum Panzer gehörenden Armeeangehörigen, einschließlich der Offiziere bis zum K-PB durch das Wasser fuhren.
Die Vorbereitung der UF wurde durch folgende  verschiedene Ausbildungsmaßnahmen gewährleistet:
 
  • Erläuterung des Inhaltes und der Zielstellung der 4.FÜ, ihr Ablauf und die Gewährleistung der Sicherheitsbestimmungen,
  • Unterweisung in die UF-Ausrüstung des Panzers, ihr Anbau und die Aufgaben der einzelnen Besatzungsmitglieder,
  • Absolvierung eines Programms der leichten Taucherausbildung mit dem Tauchretter RG-UF/M im Schwimmbecken des   UF-Ausbildungsgebäudes des TT,
  • Training der Handlung im Panzer bei Wassereinbruch an einem Fluttrainingsgerät, das sich ebenfalls im UF-Ausbildungsgebäude befindet,
 
(2) Die Vorbereitung der Panzertechnik
 
Zur Durchführung der 4.FÜ wurden Panzer der Lehrgefechtsgruppe des Regiments eingesetzt. Dabei durften nur Panzer mit einer festgelegten Frist bis zur nächsten Hauptinstandsetzung eingesetzt werden. Zum Gesamtbedarf noch fehlende Panzer konnten aus der Gefechtsgruppe ergänzt werden.An allen Panzern wurden die Wartungsarbeiten mit größerem Umfang durchgeführt.Die Arbeiten wurden mit einer Dichtprüfung (Unterdruckprobe) beendet. Diese fand in Anwesenheit der Besatzungen statt und musste durch ein technisches Protokoll nachgewiesen werden. Durch Unterschriften vom Panzerkommandanten bis zum K-PB wurde die Durchführung der notwendigen Wartungstätigkeiten bestätigt.
Ablauf der Ausbildung
 
Das ersthandelnde Bataillon verlegte die Technik zum Ausbildungslager und bereitete die Panzer zur Ausbildung vor. Diese beinhaltete den Abbau bestimmter außen angebrachter Teile des Panzers, den Anbau der UF-Ausrüstungsteile und die Kontrolle der Funktionsfähigkeit aller Teile. Eine Panzerkompanie begann am gleichen Tag mit der Landausbildung an drei Lehrplätzen: Fahren nach Girokompass, Überwinden einer Trasse (ähnlich der vorhandenen Furt) und Anbau der UF-Ausrüstung.

 

An der gesamten Panzertechnik wurde zur Sicherheit (trotz Unterdruckprobe) eine Wasserdichtprobe durchgeführt. Ein an einer Trosse befestigter Panzer wurde 5 Minuten in das Wasserhindernis gestellt. Bis max. 200 Liter Wasser durften in dieser Zeit eindringen. Ansonsten musste eine Lecksuche erfolgen und der Vorgang wurde wiederholt. Die Panzerkompanie des Lehrplatzbetriebes führte am nächsten Tag die FÜ 4a durch. Das Überwinden des Wasserhindernisses begann mit einer Lehrvorführung der Rettung und Bergung. Die Ausbildung erfolgte grundsätzlich unter Leitung des Kommandeurs des Panzerbataillons, der Lehrplatzbetrieb unter Leitung der Kompaniechefs, als Leiter der Trasse der Stabchef des Panzerbataillons und als Sicherheitsoffizier der StKTA des Bataillons. Diesen wurden zur Sicherstellung die zentralen Kräfte zeitweilig unterstellt. Der Gefechtsstand des Stabchefs war sein strukturmäßiger SPW-60PB.

 

Ein ausgebauter Gefechtsstand stand der Führung des Truppenteiles zur Verfügung. Das Recht eines Eingriffes in den Ablauf bei der Überwindung des Wasserhindernisses war zwar möglich, aber nur bei der Gefährdung von Besatzungen erlaubt.
Vielmals konnten durch eine Weisung bei der Ausbildung Probleme geklärt werden. Die Besatzungen bereiteten ihre Fahrzeuge in 3 Abschnitten vor:
Vorbereitungsraum:
  • Übernahme der Fahrzeuge und Anbau der beweglichen Teile der UF-Ausrüstung.
Kontrollstelle:
  • Schließen der UF-Klappen über den Triebwerksraum und Aufrichten des Luftzuführungsrohres (nur bei der FÜ 4b u. 4c) .Die RG-UF werden in Bereitschaftslage gebracht. Der Panzerfahrer bringt sein Rettungsgerät in Gefechtslage und schaltet den Girokreisel ein.
Kontro
lldurchlassstelle:
  • Schließen der Flatterventile über der Auspuffanlage. Der Kommandant richtet den Panzer nach dem Orientierungspunkt am gegenüberliegenden Ufer aus. Bei der FÜ 4 u.4c mit Hilfe des sich im Luftzuführungsrohr befindlichen Periskop aus und der Fahrer bringt den Giro-Kreisel in Arbeitslage.
 
Nach der Überwindung des Wasserhindernisses wird bei der Verwendung des Luftzuführungsrohres dieses durch den Kommandanten abgeklappt. Durch den Fahrer werden mit Hilfe der Jalousiebetätigung die Klappen über dem Triebwerksraum und gleichzeitig an einer Kontrollstelle durch Sicherstellungskräfte die Flatterventile geöffnet.Alle Räume werden aus dem Bestand der Wartungsgruppen und der technischen Offiziere der Panzerkompanien gebildet. Bei Bedarf erfolgt die Unterstützung durch Kräfte der Instandsetzungskompanie.Die Sicherstellungskräfte hatten sich nach Abschluss ihrer Tätigkeit in einen festgelegten Raum zu begeben. Dann erst konnte der verantwortliche Leiter den Panzer zur Ausbildung freigeben.
Der Schwerpunkt des Beginns der Ausbildung liegt jedoch im Vorbereitungsraum. Hier befinden sich immer zusätzliche Kräfte der Instandsetzungskompanie. Die hier gewissenhaft geleistete Tätigkeit von Besatzungen und Sicherstellungskräften war die wichtigste Voraussetzung für einen zügigen Ablauf der Ausbildung.
 
Höhepunkt der Ausbildung war immer die FÜ 4c. Das Übersetzen im Bestand der Einheit erforderte von dem gesamten Bestand eine hohe Bereitschaft, Disziplin, insbesondere im Funkverkehr und die bedingungslose und zeitlich angepasste Ausführung von Befehlen. Im Hindernis ausgefallene Fahrzeuge wurden grundsätzlich nach Abschluss der Überwindung geborgen. Dieses erfolgte natürlich nur dann, wenn von dieser Besatzung der Zustand mit „Sicher“ angegeben wurde. Die physische Belastung während der Ausbildung war an den drei Tagen für die Angehörigen des PB extrem hoch. Dazu kamen vielmals extreme Witterungsbedingungen, von   strömendem Regen bis ständigen Sonnenschein mit Temperaturen von ca.25° C. 1981 musste wegen Überschwemmung die Ausbildung abgebrochen werden.

Im Panzerregiment-4 wurden durch die hohe Bereitschaft aller Armeeangehörigen nur gute und sehr gute Ergebnisse erreicht.
 
Eine Fortsetzung zum Zusammenwirken der Rettung und Bergung erfolgt in einer späteren Aufzeichnung.

 

Nach der Übernahme des TÜP in Ohrdruf durch die Bundeswehr wurde der Wasserübungsplatz nicht mehr genutzt. Die Natur holte sich ihren Teil zurück. Seltene Wasservögel erklärten ihn zu ihrem Nistgebiet und Lebensraum.
Zwei Bemerkungen
1. Zur Vorbereitung der Technik:
Leider wurde diese Tätigkeit fast ausschließlich nur von den technischen Kräften     des TT kontrolliert und die notwendige Anleitung gegeben.
Besprechungen auf unterschiedlichen Ebenen, Schulungsmaßnahmen, aber auch mangelnde   Verantwortung störten teilweise den Ablauf.
2. Der Sicherheitsoffizier:
Die Übernahme des R.u.B-Kommandos erfolgte in der Regel am Vortag der  Ausbildung durch den StKTA/PB.

Der Bestand:

  • 5 Panzerzugmaschinen
  • 1 Bergepanzer
  • 1 PK-50 der Pioniere mit Echolot und Markierungssatz für die Trasse
  • 1 Schlauchboot mit Schäkelbesatzung /Antrieb Motoren“ Typ Forelle“
  • 1 Sankra mit Arzt und Sanitäter
  • 1 Satz Traversen und Seile für einen Flaschenzug
  • div. Seile (unterschiedlicher Länge ) und Schäkel
Quelle: Aus der Erinnerung aufgesetzt. Ergänzungen und  Beiträge an hv-voigt@arcor.de