I. PB

I. Panzerbataillon: April 1974 bis Sommer 1975
Beitrag von Oberst a. D. Helmut Friedrich


Von April 1974 bis zu meiner Delegierung im August 1975 an die Militärakademie war ich im I.PB als StKTA tätig.

Besetzung der Bataillons- und Kompanieführungen:

Kommandeur OSL Kaesler, Hans
StKSC Major Mecke, Karl
StKPA Hptm. Hübner, Karl-Heinz
StKTA Oltn./Hptm. Friedrich, Helmut
ORS Oltn. Brehm, Manfred
KC 1. PK Oltn./Hptm. Mühle, Herbert
StKTA Hptm Brüger,
Ltn./Oltn. Kießling,
KC 2. PK Oltn./Hptm. Grünert, Lutz
STKTA Hptm. Link, Arthur
KC 3. PK Hptm. Frankenberg, Wilfried
StKTA Hptm. Kronmaier, Peter

 

Es wurde angestrebt, dass Offiziere, die für einen Besuch der Militärakademie vorgesehen waren, eine sogenannte Ausgangsdienststellung (Bataillonsebene) inne haben sollten, da Ihr Einsatz nach Absolvierung der Akademie in der Regel in Stäben ab Regiment aufwärts geplant wurde. 1973, als ich noch in der Aufklärungskompanie als StKTA tätig und an der MAK „Friedrich Engels“ in Dresden zur Aufnahmeprüfung war, hatte ich darum gebeten, vor dem Besuch der Akademie der „Panzertruppen“ in Moskau als StKTA eines PB zu arbeiten. Der Bitte wurde stattgegeben und ich wurde erst 2 Jahre später delegiert. Die Entscheidung war nicht einfach, aber richtig, denn die Arbeit als StKTA im PB war nicht gerade leicht und ich hätte bei Versagen meinen sicheren Akademieplatz aufs Spiel gesetzt. Während dieser Zeit löste ein Höhepunkt den anderen ab und alles war für mich in der Praxis Neuland:

1. Ausbildung zum Sicherheitsoffizier bei der Unterwasserfahrt (UF)
2. Durchführung der UF in Kreinitz (Elbe)
3. „Jug 74“ -Bataillonsübung im Ohrdrufer Gelände (01.07. – 03.07.1974)
4. Alarmierung mit Unterwasserfahrt
5. Regimentsübung mit Unterwasserfahrt (Kehnert) -“Hauptstoß 74“
6. Empfang Ehrenbanner des ZK der SED in Berlin
7. Inspektion durch MfNV im April 1975
8. Vorbereitung der Technik auf die jeweilige Nutzungsperiode ( Winter bzw. Sommer).

                    Sicherheitsoffizier Oltn. Helmut Friedrich

Die StKTA aller Panzerbataillone der 4. MSD wurden jedes Jahr im Frühjahr zur Ausbildung ins Ohrdrufer Gelände „gebeten“. Dort wurden sie für die verantwortungsvolle Aufgabe als Sicherheitsoffizier zur Unterwasserfahrt vorbereitet: Ausbildung an der Bergetechnik, deren Einsatz, Erlernung der verschiedensten Bergemethoden, praktisches Üben bis hin zur Prüfung als Sicherheitsoffizier. Der Höhepunkt dabei war die Bergung eines alten Panzers T-34 (Bergeobjekt). Dabei wurden die verschiedensten Versionen durchgespielt: Bergung nach diesseits, nach jenseits, leichte Bergung, schwere Bergung (mit Flaschenzug), mit Tauchern etc.

Panzer im Feldpark
Unterwasserfahrt in Kreinitz an der Elbe 1974 
  
      Panzer mit großen und kleinen UF-Rohren
Unterwasserfahrt in Kreinitz an der Elbe 1974  

Das gesamte Regiment war dort vertreten. Die Ausbildung wurde Bataillonsweise parallel auf 3 Trassen durchgeführt. Jeden Tag 5:00 Uhr war Eintauchen der Panzer zur Wasserdichtprobe. Danach erfolgte das Fahren der Fahrübungen 4a: Fahren als Einzelfahrzeug mit großem Rohr (Ausstiegsrohr), danach mit kleinem Rohr (Luftzuführungsrohr).
Höhepunkt war das Fahren der Fahrübung 4c: Fahren im Bestand der Kompanie. Diese Fahrübung beinhaltete:

1. Vorbereitung der Panzer im Vorbereitungsraum, einschließlich Unterdruckdichtprüfung (Ersatz für eine Wasserdichtprobe).
2. Annäherung an das Wasserhindernis.
3. Aufstellung der Luftzuführungsrohre (Kontrolldurchlassstelle).
4. Passieren der Kontrollstelle (Schließen der Luken etc.)
5. Durchfahrt per Periskop (Kommandant) und Kreiselkompass (Panzerfahrer).
6. Abklappen der Luftzuführungsrohre, öffnen aller Klappen, Flatterventile am Auspuff etc.

Nach einer Wasserdichtprobe musste ich mit Oberstleutnant Knäblein (oder er mit mir) zur Wasserschutzpolizei, da ich beschuldigt wurde, meinen Panzer, den ich gerade „an der Leine“ hatte, zu spät herausgezogen zu haben und dadurch ein Schlepper-Kapitän auf der Elbe seinen Kahn festsetzte. Gott sei Dank war ich schnell entlastet, denn es stellte sich heraus, dass der Kapitän betrunken war.

                Anmerkung:     Unsere Ausbildung fand bei laufendem Schiffverkehr statt. Wenn ein Kahn bzw. ein Schiff kam, war genau festgelegt (nach Unter- bzw. Oberstrom), wann wir Wasser
                                             mit unseren Fahrzeugen verlassen mussten. 

Ein 3. Höhepunkt in meiner neuen Funktion war die Bataillonsübung unseres Bataillons im „Ohrdrufer Gelände“. Im Rahmen der mehrstufigen Kommandostabsübung „Jug 74“ handelten wir gemeinsam mit einem sowjetischen Panzerbataillon als Darstellungstruppen. Bis heute bewahre ich ein Souvenir, welches ich während eines Meetings von einem sowjetischen Soldaten erhielt, bei mir zu Hause im Glasschrank als Glücksbringer auf.

Höhepunkte 4 und 5:

Bald folgte die Regimentsübung des PR-4 – Gegnerdarstellung bei einer Divisionsübung „Hauptstoss 74“ ( 21.09. – 26.09.1974 ) der 7.PD, die vom Chef MB III geleitet wurde:
Damit wir zur Übung richtig fit werden, bekamen wir zur Aufwärmung noch eine Alarmierung ins bekannte „Ohrdrufer Gelände“ mit Unterwasserfahrt. Danach war Verladung und Eisenbahntransport nach Zeithain. Nach einem ca. 200 Kilometermarsch hatte das Regiment die Aufgabe, die Elbe im Raum Kehnert aus der Bewegung zu forcieren (Unterwasserfahrt). Diese Aufgabe absolvierte der Truppenteil und natürlich auch unser I. PB mit Bravur. Nun wussten wir endlich, warum wir im Juni zur Unterwasserfahrausbildung an der Elbe waren. Was mich bei dieser Übung tief beeindruckt hat, war die Organisation und Gewährleistung einer allumfassenden und unterbrochenen technischen Sicherstellung. Das Geheimnis war gar nicht so schwer. Alle Wartungs- und Instandsetzungsspezialisten einschließlich der StKTA der Panzerkompanien wurden zentral, d.h. regimentsbezogen eingesetzt. Bis ins Detail habe ich mir alles gemerkt, was bei dieser nicht gerade einfachen Übung gelaufen ist und ableitend in meinem späteren Dienstzeit desöftern in ähnlichen Situationen angewandt.

6. Höhepunkt: Empfang des Ehrenbanners des ZK der SED, des Ministerrates und des Bundesvorstandes des FDGB                 – 6. Oktober 1974 –

Als Fahnenbegleitkommando durften wir zu dieser außergewöhnlichen Ehrung unseren damaligen Regimentskommandeur, Oberst Siegfried Bräunig, nach Berlin begleiten:

Fahnenkommando beim Vorbeimarsch mit dem Ehrenbanner am 07.10.1974 im PR-4
v.l. Oltn. Helmut Friedrich, Ofw. Hans Meier, Oltn. Lutz Grünert
Oltn. Grünert, Lutz Kompaniechef 2. Panzerkompanie
Oltn. Friedrich, Helmut StKTA I.Panzerbataillon
Ofw. Meier, Hans Richtschütze beim Kommandeur I. PB – unser Fahnenträger

Regimentsappell am 07.10.1974
Links: Das Fahnenkommando mit Truppenfahne. Fahnenträger Ofw. Metz – Leiter der VS-Stelle.
Rechts: Das Fahnenkommando mit dem Ehrenbanner: v.l. Oltn. Friedrich, Ofw. Meier, Oltn. Grünert.

Es war ein tolles Erlebnis. Im Haus des ZK der SED erhielt Oberst Bräunig aus den Händen von Erich Honecker das Ehrenbanner. Danach gab es für uns einen „fürstlichen“ Empfang während unser Kommandeur im Friedrichstadtpalast zur Festveranstaltung war. Am 7. Oktober hatten wir dann unseren Einsatz. Vor angetretenem Regiment durften wir mit dem Ehrenbanner vorbeimarschieren. 

7. Höhepunkt:       Inspektion 1975

Bei der Inspektion haben wir mit dem I.  PB nicht schlecht abgeschlossen. Alle 3 Kompanien mit den Kompaniechefs Hptm. Mühle, Hptm. Grünert und Mj. Frankenberg mussten die 5. Fahrübung auf dem Seeberger Ausbildungsgelände fahren. Ich war als Leitender eingesetzt und der Inspektionsoffizier gab uns 3 Mal die Note „gut“. Bei den Technikkontrollen lagen wir bei „gut“ bis „befriedigend“. Auch bei den Überprüfungen im Schießen und in der Taktik schnitt unser Bataillon nicht schlecht ab. 

8. Höhepunkt:       VTNP

Mehrfacher Höhepunkt war die Vorbereitung der Technik auf die Sommer- bzw. Winternutzungsperiode. Diese durchlebte ich im Herbst 1974 und im Frühjahr 1975. Dabei wurden in ca. 10 Tagen und mehr die so genannten Saisonarbeiten durchgeführt, die Fahrzeuge mit neuem Farbanstrich versehen, Werkzeug aufgefüllt etc. Danach kamen die Kontrollen:

– die eigenen mit der Wartungsgruppe und den StKTA der Kompanien,
– Regimentskontrollgruppen,
– Divisionskontrolle.

Die Kontrollen innerhalb des Regimentes waren eher Herausforderungen, entscheidend war die Division. Sowohl im Herbst als auch im Frühjahr erhielten wir die Note „befriedigend“, d.h. „gefechtsbereit“ und keine Nachkontrollen.

Im Sommer 1975 habe ich das Bataillon an Oltn. Kießling übergeben, der schon seit Herbst 1974 als StKTA in der 1. Panzerkompanie (vorher Zugführer in der Instandsetzungskompanie) tätig war.

In der Anlage noch 2 Artikel aus der Zeitschrift „Sport und Technik“, die meine Person betreffen

Anlagen: 2 ( Zeitschrift Sport und Technik )

Neubrandenburg, im Juni 2011

 

Anlage 1



 

2 Vertreter der Zeitschrift „Sport und Technik“ besuchten uns bei der Ausbildung zum Sicherheitsoffizier im Ohrdrufer Gelände (wie oben beschrieben) und befassten sich mit mir, um den Artikel auf Seite 2 dieser Anlage fertig zu stellen.

Wie ich zu dieser Ehre kam, ist mir bis heute nicht bekannt.


Anlage 1, Seite 2


Artikel Zeitschrift „SPORT und TECHNIK“ – 1974

Die Journalisten der Zeitschrift „Sport und Technik“  haben sich für unsere Ausbildung sehr interessiert. Weiter fällt mir ein, dass sie ständig irgendwelche Fotos gemacht haben. Gegeben haben sie mir (uns) aber nur das Foto oben rechts. 


Anlage 2

 

Anlage 2 Seite 2

Gefechtspark I. Panzerbataillon

Als Foto – Gefechtspark I. Panzerbataillon – haben sich die Leute von der Zeitung bewusst eine der „Lieblingsbeschäftigungen“ der Panzerleute „KETTENKLOPFEN“ ausgesucht. Der Mann mit dem so genannten Vorschlaghammer führt gerade diese „tolle“ Tätigkeit aus.

Von einer Panzerkette wurde heruntergefahren, das Laufwerk, einschließlich Leit- und Antriebsräder sowie Kette gereinigt und danach wieder aufgezogen. Wenn beide Seiten fertig waren, wurden anschließend die Ketten geschwärzt.

Jeder richtige Panzermann kann davon ein Lied singen!