Nowosti 3

Die Änderung der Militärdoktrin des Warschauer Vertrages und deren Umsetzung im PR-4, sowie deren Einfluss auf die Entwicklung der Militärtechnik in der NVA, insbesondere für das PR-4

Der ZF des T-72 Panzerzuges stellt dem Pz-Kdt eine Aufgabe
Quelle: Zeitschrift „Militärtechnik“ der DDR

 

Bei der Suche nach Bildern des sowjetischen schweren Kampfpanzers T-10 bin ich auf eine sehr interessante Internetseite gestoßen. Sie ist unter folgender Adresse http://www.militaertechnik-der-nva.de/Tagebuch/Tagebuch.html zu finden. Die Autoren dieser Seite http://www.militaertechnik-der-nva.de haben hervorragende Arbeit geleistet. Es ist eine sehr schöne und übersichtliche und inhaltsreiche Seite entstanden. Hervorzuheben ist jedoch, dass einer der Autoren Tagebuch zur Erstellung der Hauptseite geführt hat. In diesem Tagebuch schildert er unter anderem seine durchgeführten Recherchen zur Entwicklung der Militärtechnik in den 90-er Jahren.

Viele meiner Vermutungen wurden durch die von den Autoren der Seite aufgefundenen Dokumente korrigiert oder bestätigt. Ich werde in einigen Punkten auf den Inhalt der oben geschilderten Seite zurückgreifen müssen. Ich möchte deshalb dem Vorwurf des geistigen Plagiats vorbeugen und eingangs betonen, dass den Autoren der o.g. Seite der alleinige Verdienst zusteht, die entsprechenden Dokumente gefunden, bearbeitet und veröffentlicht zu haben. Ich werde nachfolgend die Quellen aufführen.

Vorab noch einige einführende Bemerkungen:

Nach meiner Auffassung sollte man den geplanten Einsatz der NVA in einem möglichem Krieg in drei Phasen unterteilen:

1. Phase bis zweite Hälfte siebziger Jahre

  • divisionsweiser Einsatz der NVA-Divisionen in den Armeen der GSSD,
  • operative Planung bestand nur bis Verlegung in die Übergaberäume (Geheime Räume), dann wäre die Aufgabenstellung durch die sowjetischen Armeen erfolgt.

2. Zweite Phase dann bis Herbst 1987

– Jetzt wären die NVA-Divisionen geschlossen eingesetzt worden [3. Armee bzw. V. AK/ 5. Armee].

Die 3. Armee bestehend aus:

  • FO
  • die direkt unterstellten Truppen
  • 4. MSD
  • 7. PD
  • 10. MSD
  • 11. MSD

von der Sowjetarmee wäre unterstellt worden:

  • 20. GMSD
  • 5. PBr
  • zwei sst. PR
  • ein sst. MSR
  • eine ABr

Aufgabe:
Den südlichen Teil des Thüringer Balkon gegen das VII. (US) Korps verteidigen und einen Durchbruch vereiteln.

3. Dritte Phase ab Herbst 1987

– Beteiligung der NVA an und in der operativen Planung

Quelle:http://www.nva-forum.de/nva-board/index.php?showtopic=12074
User: „oker“ und „einstrich-keinstrich“

1985 wurde die Militärdoktrin des Warschauer Vertrages (WV) grundlegend verändert. Der Schwerpunkt lag dabei darauf, im Falle einer Aggression das Territorium der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zuverlässig gegen jeden Feind zu verteidigen. Der Gegner, also die NATO, wurde als Angreifer angesehen. Es wurde ein massiver Angriff zu Lande und aus der Luft angenommen. Die Verteidigungsdoktrin des WV sah eine Abwehr eines solchen Angriffs vor und ein Zurückdrängen des Gegners bis an dessen eigene Grenzen. Weiter wollte man nicht gehen. Dazu wurden dem Panzerregiment – 4 ein Geheimer Raum (bereits 1983) und ein Verteidigungsraum an der Staatsgrenze der DDR zugewiesen.

Möglicher geheimer Raum für das PR-4

Auf der Grundlage des Entschlusses des Kommandeurs der 4. MSD wurde die Einsatzplanung für das Regiment durch den Kommandeur (K PR-4) und seinem StKSC ausgearbeitet. Um die vorhandenen Befehlskarten zum Beziehen des Geheimen Raumes an das Regiment und die Einheiten austeilen zu können bzw. auf der Grundlage dieser Karten die Entschlußfassung durchführen zu können, war die Einnahme einer höheren Stufe der Gefechtsbereitschaft erforderlich. Dies war ebenfalls notwendig, um eine geordnete Aufmunitionierung der Lehrgefechtstechnik durchführen zu können (denken Sie dabei an die folgenden möglichen Aufgaben der PR-4  – siehe oben).

Die Zeiten zur Herst
ellung der Stufen der Gefechtsbereitschaft

  • erhöhte Gefechtsbereitschaft (EG – wurde im Objekt hergestell)
  • volle Gefechtsbereitschaft (VG – wurde im Wechselkonzentrierungsraum hergestellt)

betrugen jeweils 3 Stunden. Folglich hätte der Marsch in den Geheimen Raum frühestens nach 3 Stunden erfolgen können.

Die Ablauflinie war am Ortsausgang Wechmar geplant. Da die Marschstraße durch das Jonastal führte, waren rund 2:30 h für den Marsch selbst vorgesehen. Das PR-4 wäre also:

  • aus dem Objekt nach 6:30 h
  • aus dem WKR nach 5:30 h

im Geheimen Raum gewesen.

Die Planung des Einsatzes an der Staatsgrenze der DDR im Raum Meiningen lief anders ab. Für diese Planung wurden weitere Kader des Regimentes hinzugezogen. Nach meiner Erinnerung waren dies:
StKPA, LTLA, OONa, OOPiW, K-I. bis III. PB mit ihren StKSC.

Die Einsatzplanung erfolgte, nach bestätigter Entschlussfassung im Gelände, in Form von Befehlskarten, die durch den K PR-4, StKPA und den StKSC zu erstellen waren. Befehlskarten wurden angefertigt für:

  •     das Panzerregiment-4,
  •    den StKSC,
  •    das I. bis III. PB,
  •    den LTLA,
  •    den OOPiW.

Diese Karten wurden als Einsatzplanung im PR-4 unter strengster Gewährleistung der Geheimhaltung und Sicherheit beim Offizier vom Dienst (OvD) des Truppenteils eingelagert. Zu einem zeitlichen Ablauf des Beziehens des Verteidigungsstreifens kann ich keine Ausführungen machen. In welcher Reihenfolge und in welcher Abhängigkeit welche Straße genutzt werden durften, war damals nicht Gegenstand unserer Planung.

Möglicher Verteidigungsabschnitt des PR-4 an der Staatsgrenze der DDR

Der vordere Rand der Verteidigung verlief ca. 3 bis 5 km ostwärts der Staatsgrenze zur BRD. Diese wurde unmittelbar von den dann der 3. Armee unterstellten TT/E der Grenztruppen und durch die so genannten Deckungstruppen der 1. Staffel gesichert. Zur 1. Staffel zählte das PR-4. So oder so ähnlich hätte die Einsatzplanung aussehen können.

Das PR-4 wurde in der Verteidigung an der Staatsgrenze der DDR in der Hauptanstrengung in der 1.Staffel der 4.MSD gemeinsam mit dem MSR-23 (SPz-Regiment) eingesetzt. Angenommen wurde, dass eine Panzerdivision der 7. Feldarmee der USA in diesem Abschnitt angreifen würde. Dem Angriff sollten massive Luftangriffe zur Vernichtung strategischer Ziele vorausgehen.

Für uns alle war sehr ernüchternd, dass das Sperrsystem der Staatsgrenze der DDR nur sehr bedingt in das Verteidigungssystem einzubeziehen war. Es schütze unsere Einheiten lediglich vor der Annäherung von Aufklärungs- und Infantriekräften zu Fuß.

Schematische Darstellung der Grenzsicherungsmaßnahme an der Staatsgrenze der DDR

Quelle:http://www.fotos-reiseberichte.de/innerdeutsche-grenze

In unseren Verteidigungsabschnitt sah dies in Realität in etwa so aus:

Erläuterung:  von links Metallgitterzaun, Kfz-Sperrgraben, Spurensicherungsstreifen (um unbemerkte Grenzübertritte aufzudecken) und Kolonnenweg zur schnellen Zuführung von Truppen bei Alarm

Quelle:http://www.fotos-reiseberichte.de/innerdeutsche-grenze/ddr-grenzanlagen.htm

Die nachfolgende schematische Darstellung zeigt den grundsätzlichen Aufbau der Sperren an der Staatsgrenze 1985.

Schematische Darstellung mit Entfernungssangaben der Grenzsperren

 

Grundsätzlich befanden sich die Sperranlagen auf dem Gebiet der DDR. Zwischen dem Kolonnenweg und dem Grenzsignalzaun, welcher den Schutzstreifen markierte, wurde ein etwa 500 m breites Gebiet landwirtschaftli
ch genutzt.Es gab auch Flächen, die nic
ht genutzt werden konnten, wie z.B. der etwa 25 m breite Streifen zwischen der Grenze und dem Metallgitterzaun.

Selbst kleinere Sperren, wie die Kfz-Gräben, verloren für unsere Verteidigung an Bedeutung, weil sie falsch herum angelegt waren. Damit waren wir gezwungen, den gesamten pioniertechnischen Ausbau zur Verteidigung neu zu beginnen. Vielleicht konnte uns jedoch das Aufnehmen von Material an der einen oder anderen Stelle helfen.

Das PR-4 hielt sich im Raum des Grenzregiment-9 (GR-9) auf.

Einsatzraum des GR-9 an der Staatsgrenze der DDR
Quelle:http://www.nva-forum.de/nva-board/index.php?showtopic=492  User:  „OS B“

Wer dort nachliest, stellt jedoch fest, dass die Standorte der einzelnen GK des GR-9 strittig sind.

Mit Beziehen der Verteidigung wurde dem PR-4 die 11. GK/III.GB/GR-9 unterstellt. Im ersten Augenblick war ich dazu bereit,die 9. GK zur Bewachung des GS einzusetzen. Der OOPiW des GR-9, der die Aufgabe hatte, uns im Verteidigungsraum einzuweisen und uns bei der Rekognoszierung zu begleiten, widersprach jedoch. Er machte mich darauf aufmerksam, dass ich bei Verwirklichung meiner Idee, Kampfkraft verschenken würde.
Er begründete dies wie folgt:

  1. Die III. GB waren besser ausgerüstet als die anderen beiden GB.
  2. Die 11. GK hatte folgende Ausrüstung oder sollte sie erhalten:
  • 10 SPW PSH
  • 6 rückstoßfreie Geschütze 73 mm SPG-9 auf UAZ
  • 3 vollautomatische Granatwerfer AGS-17 auf LO 1800
  • 8 Panzerabwehrwaffen RPG-7
  • 8 LMG
  • 81 MPi AK74

Eingedenk dieser Hinweise des OOPiW/GR-9 überdachte ich meinen Entschluss und teilte die 11. GK dem  I. PB/PR-4, eingesetzt in der Hauptanstrengung der TT, zu. Sie verstärkte dort nicht unerheblich das Panzerabwehrsystem des I. PB.

Bei der Entschlussfassung zur Verteidigung an der Staatsgrenze der DDR wurde offensichtlich, dass unser Panzerregiment über zuwenig:

  • Pioniertechnik verfügte, um die bereits an der Staatsgrenze eingelagerten Normelemente für die B-Stellen, Unterstände, Stellungen der Kampftechnik, in kürzester Zeit zur Herstellung der Verteidigungsbereitschaft einzugraben sowie geplanten Sperren zu erstellen.
  • Pioniertechnik verfügte, um Kolonnenwege für die Truppen zur Durchführung von Manövern und Gegenangriffen in der Verteidigung zu erstellen, weitreichende Panzerabwehrmittel verfügte (eine pioniertechnische Vorbereitung des Geländes in Angriffsrichtung des Gegners war ausschließlich auf dem Territorium der DDR möglich), und
  • zu wenig Mittel der Truppenluftabwehr hatte.
Quelle: Dieses Bild basiert auf dem Bild „DShK on T-55 DD-SD-01-05147.JPEG“ ‎(http://commons.wikimedia.org/wiki/File:DShK_on_T-55_DD-SD-01-05147.JPEG) aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons http://commons. wikimedia.org/wiki/Main_Page und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation ( http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Lizenzbestimmungen ). Der Urheber des Bildes ist SGT PAUL SSGT KIM PRICE.

 

Ich weiß, dass viele der Kameraden mir entgegnen werden, dass in einem Panzerregiment durch die Fla-MG genügend Mittel der Truppenluftabwehr vorhanden waren. Unter den nachstehenden Gesichtspunkten stimmt dies jedoch nicht:

  • Die Vorwarnzeit bei Luftangriffen schnell fliegender gegnerischer Fliegerkräfte reicht nicht aus, um die Feuerbereitschaft der Fla-MG herzustellen.
  • Der Einsatz des Fla-MG gegen gegnerische Panzerabwehrhubschrauber ist auf der Grundlage meiner Erfahrungen nicht die zweckmäßigste Methode der Bekämpfung dieser Mittel des Gegners. Hier spielt wiederum der Zeitfaktor zur Herrstellung der Feuerbereitschaft der Fla-MG eine wesentliche Rolle. Die taktischen Übungen der PB mit Gefechtschiessen haben gezeigt, dass die bessere Methode zur Bekämpfung gegnerischer Panzerabwehrhubschrauber der Einsatz der KWK mit Splittersprenggranate war.

Als Beweis möchte ich anführen „Warum hatten die ab 1965 zugeführten Panzer T-55 und die ab 1968 verbesserten T-55A keine Fla-MG?“ Einzig mögliche Antwort: Die Geschwindigkeit der modernen und in großer Stückzahl eingeführten Kampfflugzeuge war so hoch, dass eine Bekämpfung dieser Flugzeuge durch Fla-MG ni
cht mehr möglich war. Diese A
ufgaben übernahmen andere Systeme. Also Waffe weg! Im Vietnamkrieg tauchte aber eine neue  gefährliche Waffe auf, der Kampfhubschrauber. Der massenhafte und wirksame Einsatz dieses Waffensystems machte eins deutlich, großkalibrige Fla-MG konnten zur Abwehr von Hubschraubern erfolgreich eingesetzt werden.“ Ab 1971 gehörte zur Bewaffnung der neu importierten Panzer wieder ein Fla-MG, die restlichen Fahrzeuge wurden im Rahmen einer Modernisierung nachgerüstet.

Verschärft wurde die Situation dadurch, dass die geografischen Gegebenheiten im Verteidigungsabschnitt an der Staatsgrenze nicht ideal waren. Wie sah dies für unseren TT aus:
 
  • im Rücken unseres Verteidigungsstreifens befand sich der Große Gleichberg.
  • der Große Gleichberg fiel steil in Richtung Westen ab. Der Höhenunterschied von der VLV zum Gipfel betrug ca., 300m.

 

  • Wege durch das Waldgebiet des Großen Gleichberges in West-Ostrichtung waren nicht vorhanden.
  • das offene Gelände zwischen der Staatsgrenze und dem Waldgebiet des Großen Gleichberges betrug an der schmalsten Stelle 1.800 m und an der weitesten Stelle 5.600 m.

 

  • von der VLV zur Staatsgrenze der DDR stieg das Gelände von 320 m auf 334 m an.
 

  • im Zentrum der Annäherungsrichtung des Gegners befand sich ein großes Waldgebiet, welches folglich den Gegner beim Angriff kanalisierte.
  • das Waldgebiet wies nur 2 Wege in Angriffsrichtung des Gegners auf.

 

Daraus haben wir folgende Schlussfolgerungen gezogen und im Entschluss zur Verteidigung berücksichtigt:

  • das Waldgebiet des großen Gleichberges war zur Durchführung von Manövern in Ost- Westrichtung und umgekehrt laut topografischer Karte ungeeignet.
  • das Waldgebiet des Großen Gleichberges musste mit Beziehen des Verteidigungs-Streifens durch das PR-4 pioniertechnisch aufgeklärt werden.
  • die in der Tiefe liegenden Elemente der Gefechtsordnung konnten nur südlich oder nördlich des Großen Gleichberges positioniert werden.
  • die Kolonnenwege in die Tiefe unseres Verteidigungsabschnittes waren durch die Kanalisationswirkung des Großen Gleich Berges sehr begrenzt und mussten folglich zur Gewährleistung des Nachschubes besondere Beachtung beim Ausbau und während des Gefechtes selbst finden.

  • die Durchführung von Manövern in der Verteidigung (das Beziehen von Wechselfeuerstellungen, die Durchführung von Gegenangriffen der 2. Staffel) war durch diese Bedingungen nur sehr begrenzt möglich.
Insbesondere wurde es durch uns als sehr nachteilig empfunden, dass der Gegner durch das ansteigende Gelände in seiner Richtung, den Ausbau jeder Stellung in seiner Hauptangriffsrichtung ohne besondere Mühen einsehen konnte. In befreundeten Armeen war es durchaus üblich, den Pionierausbau des Geländes grundsätzlich nachts vorzunehmen. Dadurch wurde zumindest die optische Aufklärung des Gegners erschwert. Das Beziehen der Verteidigung erfolgte durch die Einheiten erst nach Fertigstellung des Pionierausbau des Geländes und grundsätzlich nachts. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Hauptbewaffnung der Einheiten unter Bewachung in Bereitstellungsräumen ca. 3 bis 6 km von der VLV entfernt untergebracht. Der Ausbau der Verteidigung erfolgte zu Fuß durch die Einheiten. Davon hatten wir bei unserer Entscheidungsfindung nicht auszugehen. 
 
Wie stellte sich die Einsehbarkeit unserer Verteidigung konkret dar? Dazu habe ich Geländeschnitte vorgenommen.

 

 Geländeschnitt zur Sichtbarkeit unserer Verteidigung

 

Man konnte dieser Tatsache nur damit begegnen, dass der Pionierausbau des Geländes besonders sorgsam erfolgen musste.

Das heißt:

 
Die Panzerstellungen sind in der 2. Phase des Ausbaues mit einem Unterstand für die Technik und Besatzung zu versehen im täglichen Sprachgebrauch wurde dieser Stellungstyp von uns mit „israelische Stellungen“ bezeichnet. Die israelische Armee hatte  in einem der Kriege diese Stellungsart aufgegriffen und ausgebaut. So gelang es die feindlichen
Truppen zu überraschen und sich anfängliche Vorteile zu verschaffen.

     1.)    Es mussten viele Schein- und Wechselstellungen für die Panzer angelegt werden.

 

Dabei hätten uns die aufblasbaren Attrappen, die strukturmäßig in der Sowjetarmee vorhanden waren, sehr geholfen. Die luftgefüllten Attrappen reproduzieren das Wärme- und Radar-Spektrum der jeweiligen Kampfeinheiten. Da uns dies nicht zur Verfügung stand, mussten wir behelfsmäßigen Mitteln die Attrappen bauen.

Der Vollständigkeit halber möchte ich darauf hinweisen, dass die NVA auch über Attrappen verfügte.

T-72 Attrappe im Militärmuseum Kummersdorf
  • Das Sperrsystem vor dem vorderen Rand der Verteidigung (in der ersten Phase zu schaffen) und in der Tiefe der Verteidigung war auf die Maßnahmen unter 1.) und 2.) genannt, abzustimmen und war in den Hauptrichtungen besonders eng zu gestalten.
  • Die Schaffung von Wärmequellen mit hoher Abstrahlung, abgesetzt vom Stellungssystem der Panzer zur Abwehr von Streu- und anderen Bomben mit Infrarotzielsystem gewann unter diesen besonderen Bedingungen zusätzlich an Bedeutung.
 
Diese Maßnahmen benötigten jedoch noch mehr Pioniertechnik, die so schon nicht ausreichend war. Also hatten wir zukünftig in der Ausbildung unserer Einheiten den schnellen und effektiven Ausbau von Stellungen mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Unsere Panzerbesatzungen waren im Aussprengen von Feuerstellungen ausgebildet. Dieses Element hatten wir zurückliegend auch bei taktischen Übungen mit Gefechtsschießen der Panzerbataillone (PB) wiederholt praktisch durchgeführt. Diese erworbenen Fähigkeiten und  Fertigkeiten waren also in der Ausbildung weiter auszubauen und zu festigen.
Großes Erstaunen erzeugte bei allen Offizieren die Tatsache, dass zum Zeitpunkt der Rekognoszierung an der Staatsgrenze bereits eine ganze Reihe von „Vorarbeiten“ durch andere Kräfte geleistet worden war. So erhielten wir nicht nur die Abholpunkte der Drahtnach-richtenverbindungen mit den dazugehörigen Aufschalpunkten der Deutschen Post, sondern wir erhielten auch die nachstehenden Abholpunkte:

 

  • Abholpunkt der Graben- und Bunkerelemente für die B-Stelle des K PR-4;
  • Abholpunkte/Einlagerungsräume für Graben- und Bunkerelemente für die B-Stellen der K-PB;
  • Einlagerungsraum für Schienenelemente zum Bau von Panzersperren;
  • Einlagerungsraum für Stacheldraht und Holz zum Bau von Infantriesperren;
  • Abholpunkte für Holz zum Bau von Bunkern und Splittergräben
  • Räumlichkeiten/Betriebe für die Nutzung zur Instandsetzung der Technik;
  • Räumlichkeiten für die Nutzung zur Zubereitung der Truppenverpflegung;
  • Räumlichkeiten und Instutitionen zur Nutzung für die medizinische Sicherstellung.
Dadurch wurde uns das Gefühl vermittelt, dass in diesem Abschnitt schon eine beträchtliche Vorarbeit zur schnellen Herstellung der Verteidigungsbereitschaft geleistet worden war. Hinzu kam, dass wir zum ersten Mal, die Zusammenarbeit bei der Verteidigung unserer Heimat zwischen NVA und Bevölkerung spürten. Leider hat dieses Element bei Truppenübungen garkeine Rolle gespielt.
 
Bei den selbstständigen Einheiten, dem Führungsorgan des Regiments, den rückwärtigen Einrichtungen und Stäben der PB musste dieses Element der Pionierausbildung zukünftig mehr in den Mittelpunkt der Ausbildung gestellt werden. Der erhöhte Verbrauch an Sprengstoff war auf der Ebene des Regimentes klärbar. Die Anschaffung neuer oder zusätzlicher Technik nicht.
 
Mit den obigen Ausführungen will ich verdeutlichen, dass die Änderung der Militärdoktrin der Warschauer Vertragsstaaten in der Mitte der 80-er Jahre, sowohl Einfluss auf die zukünftige
  • Beschaffung der Technik und Bewaffnung der NVA bzw. deren Modernisierung und
  • die Gestaltung der Ausbildung der Einheiten hatte.
 
Über die Ursachen dieser tiefgreifenden Veränderung der Militärdoktrin lässt sich viel spekulieren. Ob ökonomische Probleme die Ursache der Änderungen waren, ist nicht bekannt, aber zu vermuten. Dabei ist jedoch davon auszugehen, dass dies weniger auf die DDR als vielmehr auf die anderen Mitgliedsstaaten des Warschauer Vertrages zutraf.

Im Warschauer Ve
rtrag gab es einen „Militärischen wissenschaftlich-technischen Rat“ (MWTR) der alle 5 Jahre tagte und Empfehlungen zur weiteren Ausrüstung der Armeen mit Technik und Bewaffnung aussprach.

Der Autor der Internet-Seite http://www.militaertechnik-der-nva.de nennt die Aufgaben des MWTR wie folgt:

  1. Der MWTR setzt sich aus Delegationen sämtlicher Teilnehmerstaaten des Warschauer zusammen. Er empfiehlt seinen Teilnehmerstaaten Technik und Ausrüstung, die in die Armeen aufgenommen werden können.
  2. Jeder Teilnehmerstaat kann dem MWTR eigene Entwicklungsvorschläge von militärischer Technik unterbreiten. Signalisieren die anderen oder einzelne Staaten Interesse, werden Kooperationsvereinbarungen abgeschlossen, Lizenzübernahmen vereinbart, einheitliche taktisch-technische Forderungen (ETTF) besprochen und festgelegt. Modernisierungsmaßnahmen werden empfohlen, Preise und Stückzahlen festgelegt,Lieferverträge abgeschlossen bis hin zur Festlegung von gemeinsamen Erprobungen.
  3. Es werden grundsätzlich nur Empfehlungen ausgesprochen, die dann mit der eigenen Regierung, der Industrie usw. debattiert werden.
  4. Der Zeitrahmen wird auf fünf Jahre festgelegt, eine Option weitere fünf Jahre werden soll gebunden werden.

Die 26. Tagung des MWTR fand im November 1982 in Bukarest, SR Rumänien, statt.


Für die Ausrüstung in den Armeen wurde unter anderem empfohlen:

  • 120-mm-Granatwerfer „TUNDSCHA“ auf Basis MT-LB
  • Aufnahme der 73-mm-Splittergranate mit vorgefertigten Splitterelementen OG-9B in den Kampfsatz des BMP 1 für das 73-mm-Geschütz 2A28.
 
Weitere Vorhaben, die erörtert wurden:
  • Die Schaffung der 152-mm-Kanonen-Haubitze „PATRIA“ wird fortgesetzt.
  • Die Schaffung der Granatwerfer – SFL „PRAM“ auf Basis BMP wird fortgesetzt.
  • Die Entwicklung des Pionieraufklärungsfahrzeuges „HORS“ wird begonnen.
  • Die NVA nimmt an der dreimonatigen Erprobung des Leitmusters des AFFS „PASUV“ teil.

Im Rahmen der Modernisierung des mittleren Panzers T-55A zum T-55AM2 schlägt die UdSSR auch den Einbau eines 90 PS starken Motors vor. Es handelt sich dabei um den Motor W46-5M, der auf der Basis des T-72-Motors W46-6 aufbaut. Die UdSSR hat diesen Motor entwickelt, seinen Einbau in den T-55AM2 konstruktiv gelöst und praktisch realisiert.

Der Motor ist eine Neuproduktion und weist folgende Merkmale auf:
  • 690 PS bei 1900 u/min,
  • Lichtmaschine mit 6,5 kW-Leistung,
  • verkleinerter Auflader,
  • veränderte Anschlüsse zu den Öl-, Kraftstoff- und Kühlsystemen,
  • völlig verändertes Luftzuführungssystem.
Im Endresultat erhöht sich die Beweglichkeit im Gelände um 10 – 12 %. Das Masse-Leistungsverhältnis steigt gegenüber dem Motor W-55U von 15,0 PS/t auf 16,5 PS/t trotz Masseerhöhung von rund 400 kg. Außerdem kommen Mehrkosten in Höhe von rund 350.000,- Mark pro Motor dazu. Die UdSSR ist ab 1991 bereit, diesen Motor zu liefern.
Auf der 37. Tagung des MWTR nach der Änderung der Militärdoktrin 1985 wurden die Weichen für eine neue Etappe in der Ausrüstung mit Kampftechnik der Staaten des WV mit Kampftechnik gestellt.

Die Hauptrichtung der Ausrüstung der Armeen des WV für den Zeitraum 1991 – 1995 lief auf folgende Schwerpunkte hinaus:
  1. Qualitative Verbesserung der Panzertechnik bei unbedeutender Erhöhung der Anzahl der Technik;
  2. Qualitative Verbesserung der Panzerflotte durch Beginn der Zuführung neuer Panzer und Fortführung der Modernisierung vorhandener Typen;
  3. Beginn der Produktion neuer SPW-Typen;
  4. Fortführung der Ablösung alter Artilleriesysteme (76- bis 100-mm) durch neue 122- bis 152-mm-Systeme;
  5. weitere Einführung moderner Panzerabwehrwaffen;
  6. Einführung neuer Fla-Raketensysteme für die Landstreitkräfte;
  7. Einführung moderner Funkgeräte und beweglicher Nachrichtenknoten;
  8. Einführung automatischer Funk- und funktechnischer Aufklärungskomplexe;
  9. Umrüstung auf neue Fla-Raketen-Komplexe für die Einheiten der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung;
  10. Zuführung eines neuen Küsten-Raketenkomplexes.


Speziell für die DDR ergaben sich folgende Schwerpunkte:

  • Weiterführung der Modernisierung der T-55A und T-72,
  • Ermittlung des Bedarfs an Motoren W46-5M,
  • Beginn der Einführung des SPW-80, weitere Zuführung BMP-2,

Wenn Sie den BTR-80 in Aktion sehen wollen, habe ich Ihnen nachstehend drei Links für Filme hinterlegt: 
 
  • weitere Ausrüstung mit nach Lizenz gefertigten PALR „Konkurs“ und „Bastion“,
  • Beginn der Ausrüstung der NVA mit 152-mm-SFL-Haubitzen „MSTA-B“ und 120 mm – GW-SFL „TUNDSCHA“,

152mm SFL-Haubitze 2S19

Schauen Sie sich in den nachstehenden Links, die 152 mm SFL in Aktion an:

 

  • Modernisierung der TLA mit Systemen S-300PMU, STRELA-10 und BUK,
  • Zuführung neuer Funkmessstationen ST-68 und P-19,
  • Festlegung des Bedarfes an Motoren W46-5M: die ersten Motoren ab 1992, bis zum Jahr 2000 maximal 830 Stück.(doppelte Ausführung siehe Pkt.2)

 

Eine Analyse der Altersstruktur ausgewählter Hauptarten der Kampftechnik, Bewaffnung und Ausrüstung wurde im November 1989 durch den Stellvertreter des Ministers und Chef Technik und Bewaffnung in Auftrag gegeben. Es ist schon interessant zu lesen, wie unsere Vorgesetzten unsere Kampftechnik einschätzten und welche Kraftanstrengungen von uns gefordert wurden, sie ständig zu warten.

Die Altersstruktur der Militärtechnik (MT) zeigt, dass die NVA über ein bedeutendes Potential an moderner MT verfügt. Gleichzeitig ist erkennbar, dass ein beträchtlicher Teil der MT zunehmend veraltet und bei der Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft zum Teil ernste Probleme auftreten.

Deshalb:

  • weitere Zuführung an MT zur Ausstattung und Umrüstung,
  • wichtige Modernisierungsmaßnahmen zur Kampfwertsteigerung der MT,
  • umfangreiche industrielle und Truppeninstandsetzung zur Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft der MT.
Trotzdem wird bis 1995 keine prinzipielle Verbesserung der Altersstruktur erreicht. Deshalb werden neben neuen auch weiterhin ältere Typen der MT im Bestand verbleiben.
 

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