Mein Leben in der NVA

 

Mein Leben in der Nationalen Volksarmee
– 28. August 1965 bis 2. Oktober 1990 –

von Löbau (1965 -1968 ), nach GOTHA (1968 – 1975) , über MOSKAU (1975 -1980 ) nach ERFURT (1980 – 1986) und NEUBRANDENBURG
Beitrag von Oberst a.D. Helmut Friedrich

Offiziersschüler 1. Lehrjahr
– Löbau 1965 –

In Löbau besuchte ich die Offiziersschule der Landstreitkräfte „Ernst Thälmann“ in der Fachrichtung Panzer- und Kfz- Technik als Panzertechniker und wurde am 14. Oktober 1968 zum damaligen 1.Offiziersdienstgrad Unterleutnant ernannt und erhielt die Qualifikation Ingenieur für Panzertechnik. Ein Höhepunkt während der Ausbildung an der Offiziersschule war die Teilnahme an der Ehrenparade in Berlin 1966. Besonders gefreut habe ich mich, als ich meinen Einsatzort für das Truppenpraktikum erfahren habe – Panzerregiment 4 in Gotha -, denn von Apolda aus hatte ich meine Armeezeit begonnen und 1967 auch dort geheiratet.

 

Ehrenparade der NVA am 1. Mai 1966

Offiziersschüler 3. Lehrjahr
– Löbau 1968 – 

Unser Jahrgang war der erste und einzige, der 4 Monate Praktikum zu absolvieren hatte. Ich kam in die Aufklärungskompanie und sollte im Herbst den bisherigen StKTA, Stfw. Oskar Mackelday, ablösen.
Bisher hatten wir an der Offiziersschule als Hauptbewaffnung schwerpunktmäßig den Panzer T 54, T55 und zum Ende vorrangig den neu eingeführten T 55A gelehrt bekommen. Jetzt hatte ich es mit Schwimmpanzern PT 76 und dem Rad-SPW 40 P2 zu tun. Da meine Ingenieursarbeit auch in diese Richtung ging – Überprüfung des technischen Zustandes an gepanzerten Räderfahrzeugen – kam mir das alles gelegen.

TRUPPENPRAKTIKUM in GOTHA                                     – Juni bis Anfang Oktober 1968 –

Im Inneren fühlte ich, dass es nicht leicht wird und ich sollte recht behalten. Da wir noch keine Offiziere waren, mussten wir uns nach oben und unten beweisen und natürlich betrachteten uns alle kritischer als das ihnen bekannte Umfeld. Als die ersten „Prüfungen“ bestanden waren ( Durchführung von Unterricht, Ausbildungsmaßnahmen, Frühsport, Freizeitmaßnahmen etc.) waren wir integriert, wir gehörten dann einfach dazu.

Die unverhofften Maßnahmen während der CSSR – Krise – 21. AUGUST 1968 integrierte uns dann vollends !!! Ich hatte den Eindruck, dass der gesamte Personalbestand näher zusammen rückte, um den anstehenden Aufgaben gerecht zu werden. Während der gesamten Alarmierungszeit, Ausbildung nur in der Kaserne, Urlaubssperre etc. sowie bei den weiteren Ausbildungsmaßnahmen außerhalb des Objektes waren für mich alle irgendwie mehr bei der Sache als sonst und wollten besonders gute Leistungen bringen.

Nach der Ernennung am 14.Oktober 1968

Als wir nach dem Praktikum zu den letzten Prüfungen wieder in Löbau waren, konnten wir das nur untereinander bestätigen. Am 14. Oktober war dann endlich Ernennung. Wir freuten uns schon lange auf unseren Urlaub in Friedrichroda, inspizierten dabei Gotha und bereiteten uns vor, alle Dinge so schnell wie möglich auf die Reihe zu bekommen, um nach Gotha zu ziehen, denn wir hatten schon eine Wohnung bekommen.

AUFKLÄRUNGSKOMPANIE

 

 Mittlerer Panzer T 55A – Hauptbewaffnung ab 1969

Ab November 1968 war ich nun StKTA der Aufklärungskompanie. Die Arbeit machte mir sehr viel Spaß. Ich fühlte mich durch die 4 Monate Praktikum in der Kompanie und im Regiment schon wie zu Hause. 1969 wurde in allen 3 Panzerbataillonen der Panzer T55 A als Hauptbewaffnung eingeführt. Dazu musste der gesamte Personalbestand umgeschult werden. Da ich in Löbau Ausbildung an diesem Panzertyp hatte, durfte ich auch einige Unterrichtsstunden vor Offizieren der Regiments- und Bataillonsführungen halten.

 

 Medaille PR-4

Gefechtspark Aufklärungskompanie
Im Hintergrund v.l. Major Bergmann, OOPz-D, Ltn. H. Friedrich, StKTA der AKlK, Ltn. Voigt KC der AKlK.

Schwimmpanzer PT-76 B

3 PT-76 B waren im Bestand des 3. Zuges der Aufklärungskompanie. Das Foto habe ich sehr viel später im Panzermuseum Munster aufgenommen.

Schützenpanzerwagen (SPW) 40P2

7 SPW 40P2 waren im Bestand der Aufklärungskompanie. Fotografiert wurde der SPW später im panzer-technischen Ausbildungszentrum in Erfurt (im MSR-24).

Neuererkonferenz

Neuererkonferenz der 4. MSD in Erfurt
Ultn. H. Friedrich – Besucher der Neuererkonferenz der 4. MSD auf der Henne in Erfurt. 1982 habe ich dieses Foto durch Zufall gefunden.

              Anmerkung des Autors:

                                                         „Mit dem Fotografieren war es damals nicht so einfach. Deshalb bin ich
                                                          froh, doch einige Fotos abbekommen zu haben. Diese stelle ich
                                                          natürlich auch für eine gute Sache zur Verfügung.“                                                                            

Sicherheitsoffizier bei der Unterwasserfahrt
– StKTA I. PB –

Bis Frühjahr 1974 war ich als StKTA in der Aufklärungskompanie und danach als StKTA im I. Panzerbataillon tätig. Meine Erlebnisse in beiden Dienststellungen habe ich unter der Rubrik Aufklärungskompanie bzw. I. Panzerbataillon ausführlich dargelegt. Während meiner Dienstzeit war ich von Frühjahr 1968 bis Sommer 1975 aktives Mitglied im Armeesportverein „Vorwärts“. Mein Beitrag dazu: siehe Rubrik Sport (Sie finden den Beitrag unter dem Link „NVA“ Seite 16).

Die Dienststellung StKTA im I. PB war für mich gleichzeitig die Ausgangsdienststellung für die Delegierung an die Militärakademie der Panzertruppen „ R.J. Malinowski“ in Moskau (Ausbildung zum Stabsoffizier und Studium mit Abschluss Diplomingenieur für allgemeinen Maschinenbau).

Nach Abschluss meines 5-jährigen Studiums wurde ich im Sommer 1980 als StKTA des Motschützenregimentes – 24 in Erfurt auf dem Steiger eingesetzt.

Januar 1981 – Egon Krenz mit FDJ-Funktionären zur Ausbildung auf dem Drosselberg – Demonstration der 6. Fahrübung  –  mit  sowjetischen Waffenbrüdern aus Ohrdruf 

Unterwasserfahrt des Panzerbataillones MSR-24 im Ohdrufer Gelände. Das kam mir alles sehr bekannt vor.

Ab Sommer 1982 bis 1984 arbeitete ich als Leiter der Unterabteilung Panzerdienst sowie gleichzeitig als Stellvertreter des StKTA im Führungsorgan der 4. MSD. 1984 wurde ich StKTB der 4. MSD.

              Anmerkung: Ab Juli 1983 wurde der Dienstbereich Technik und Bewaffnung geschaffen. Aus dem Bereich
                                      der Rückwärtigen Dienste wurde die gesamte Bewaffnung und Munition sowie der Raketen- und
                                    waffentechnischer Dienst ausgegliedert und in die technischen Stellen bzw. Abteilungen
                                      aufgenommen. Aus den so genannten StKTA wurden StKTB.

Medaille MSR-24

Wimpel der 4. MSD mit Stadtwappen von ERFURT, MÜHLHAUSEN, GOTHA und BAD SALZUNGEN

Medaille 4. MSD

 Dislozierung der 4. Motschützendivision:

Mot.-Schützenregiment-22 MSR-22 Thomas Müntzer Mühlhausen
Mot.-Schützenregiment-23 MSR-23 Anton Saefkow Bad Salzungen
Mot.-Schützenregiment-24 MSR-24 John Schehr Erfurt
Panzerregiment-4 PR-4 August Bebel Gotha
Artillerieregiment-4 AR-4 Willi Bredel Erfurt
Fla-Raketenregiment-4 FRR-4 Hermann Danz Erfurt
Raketenabteilung-4 RA-4 Hugo Gräf Erfurt
Geschosswerferabteilung-4 GeWA-4 Otto Franke Erfurt
Aufklärungsbataillon-4 AB-4 Wilhelm Girnius Bad Salzungen
Pionierbataillon-4 PiB-4 Walter Kaiser-Gorrish Bad Salzungen
Panzerjägerabteilung-4 PJA-4 Franz Jacob Bad Salzungen
Nachrichtenbataillon-4 NB-4 Wilhelm Liebknecht Erfurt
Bataillon Materielle Sicherstellung-4 BMS-4 Ernst Putz Erfurt
Instandsetzungsbataillon-4 IB-4 Wilhelm Leuschner Gotha
Bataillon Chemische Abwehr-4 BChA-4 Lothar Bolz Erfurt
Sanitätsbataillon-4 SanB-4 Erfurt
Stabskompanie StK-4 Erfurt
Sicherungskompanie SiK-4 Erfurt
Funktechnisches Bataillon-1 FuTeB-1 Erfurt
Führungs-Batterie Chef Raketentruppen und Artillerie FüBttrCRA-4 Erfurt
Führungs-Batterie Chef Truppenluftabwehr FüBttrCTLA-4 Erfurt
Divisionslager-4 DL-4 Erfurt
Munitionslager-4 ML-4 Egstedt
Treib- und Schmierstofflager-4 TSL-4 Egstedt
Ersatzregiment-4 ErsR-4 Erfurt
Stabsmusikkorps Erfurt
Militärgericht und die Militärstaatsanwaltschaft Erfurt


SPW 70 oder Gerät 4905

1981 wurde der SPW-70 im MSR-24 eingeführt (1.Truppenteil der Landstreitkräfte). Dazu gab es im Vorfeld umfassende Erprobungen und eine komplette Neugestaltung der Ausbildungsbasis. Nach dem MSR-24 wurde das MSR-22 sowie alle anderen TT/E, die bisher den SPW 60 PB in der Struktur hatten, ausgerüstet. Parallel dazu erfolgte die Abgabe der SPW 60 PB an andere Verbände. 

Sowohl bei der Vorbereitung und Durchführung der Unterwasserfahrt im MSR-24 sowie bei den Umbewaffnungsprozessen mit dem SPW 70/SPW 60 PB im Regiment sowie in der Division konnte ich auf die gemachten Erfahrungen im PR-4 zurückgreifen. Ich weiß nicht, wie alles gelaufen wäre, wenn ich nicht die Ausgangsdienststellung als StKTA im I. PB gehabt hätte sowie als stiller Beobachter den Umbewaffnungsprozess vom T-54 auf den T-55A verfolgen konnte.

Divisionsausscheid: Ermittlung „Bester Fahrer Panzertechnik“ – 1983 

Oktober 1985 – Neuererkonferenz  der 4. MSD in Gotha-Sundhausen

Die Neuererkonferenzen wurden immer gemeinsam mit der 39. Gardemotschützendivision aus Ohrdruf durchgeführt. Dabei stellten beide Divisionen Neuerungen aller Waffengattungen und Dienste aus. Exponate zur Verbesserung der Dienst-, Arbeits- und Lebensbedingungen, im Bereich der Gefechtsausbildung und im technischen Bereich waren dabei besonders gefragt. Höhepunkt war jedes Jahr die ZMMM (Zentrale Messe der Meister von morgen), ausgerichtet durch das Ministerium für Nationale Verteidigung.

 30. Jahrestag der NVA

Kommandeure unter sich –
v. l. GM Hollstein, GO Goldbach, GL Seefeld, GM Schulze, Oberst Schlothauer

30. Jahrestag der NVA
Erinnerungsgeschenk

14. / 15. Juni 1986 – 30. Jahrestag 4. MSD
Der 30. Jahrestag wurde in der Division ehrenvoll begangen.
Gruppenfoto der Kommandeure und Stellvertreter der 4.MSD

 

 Unterwasserfahrt und Wasserfahrausbildung in Kreinitz an der Elbe


Meine letzte Unterwasserfahrt / Wasserfahrausbildung.
Leitungsstab der 4. MSD

 1986 – meine Verabschiedung aus der 4. Motschützendivision

Oberst Bernd Leistner als neuer Stabschef der 4. MSD nahm die Verabschiedung im Bereich der Techniker vor. Im MSR-24 war er mein Kommandeur und von 1982 -1984 arbeiteten wir im Stab der Division zusammen. Zuvor fand die offizielle Verabschiedung durch den Kommandeur der Division statt. Als Vertreter des Militärbezirkes III nahm der Chef Technik und Bewaffnung,
Generalmajor Menger, daran teil.

Unterabteilung raketen- und waffentechnischer Dienst

Unterabteilung panzertechnischer Dienst

Unterabteilung kraftfahrzeugtechnischer Dienst

unsereFrauen

Zivilbeschäftigte der technischen Abteilung

Kommandeur IB-4 OSL Lips und der StKTB Major Woythe

Alle ehemaligen StKTA bzw. StKTB der 4. MSD waren gekommen.
v.links Hubert Heller, Otto Hauschild, „Papa“ Steffen, Helmut Friedrich, Jochen Metzner, Hardi Nothnagel

Im Herbst 1986 war leider meine Zeit in der 4. MSD beendet. Ich habe in allen Dienststellungen, die ich inne hatte, sehr gern gearbeitet, habe viel lernen können und speziell die Zeit im PR-4 möchte ich nicht missen. Ab 1982 hatte ich mit der Unterbrechung Studium und MSR-24 wieder direkten Kontakt zum Regiment. Die Aufgaben, die wir manchmal gemeinsam lösen mussten (z.B. Inspektion 1984) waren meistens nicht einfach, aber wir haben sie immer gepackt.

Auch die Zusammenarbeit mit dem Nachbartruppenteil IB-4 bleibt mir ständig in guter Erinnerung. Schon als Offiziersschüler hatte ich die ersten Kontakte mit der damaligen selbstständigen Panzerinstandsetzungskompanie.

Im Herbst 1986 wurde ich in das Kommando des Militärbezirkes V nach Neubrandenburg versetzt. Dort traf ich meinen 1. Regimentskommandeur, Generalmajor Sylla, wieder. Er wurde gerade Chef des Militärbezirkes. Zuerst arbeitete ich als Stellvertreter des Chefs Technik und Bewaffnung, ab Dezember 1988 bis 2. Oktober 1990 als Stellvertreter des Chefs des Militärbezirkes und Chef Technik und Bewaffnung.

 

Neubrandenburg, im Juli 2011